Impressionen aus Oberrad? Geht das? Nun, manch einer wird beim Blick auf die Gewächshäuser zwischen Oberrad und Main an Grüne Soße denken, ich persönlich bin kein Freund dieses Gerichts. Deswegen richte ich mal meinen Fokus auf die Graffitis dort. Insgesamt keine hohe Kunst, aber durch die Bahnlinie Frankfurt-Offenbach und das gelangweilte Publikum im Berufsverkehr beliebte Selbstdarstellungsflächen für Sprayer. Die 18 Bilder entstanden während zweier „Durchfahrten“ (mit dem Rad) im März und Mai.
Eines meiner absoluten Lieblingsbilder mit einem Graffiti- Motiv in diesem Jahr ist die Frau in grün, die habe ich in Antwerpen fotografiert. Wer meine Facebook- oder tumblr-Seite besucht hat, ist ihr schon begegnet. Im Februar war ich für ein paar Tage in Brüssel, Graffitibilder am Neerpedepark habe ich bereits hier und hier gezeigt.
Von Brüssel sind es mit dem Zug nur 45 Minuten nach Antwerpen, die Stadt lässt sich gut mit einem Aufenthalt von Brüssel verbinden. Neben Stadtbesichtigung und für mich obligatorischem Rundgang über den Schoonselhof-Friedhof im Süden (Wikipedia nennt ihr den Père Lachaise von Antwerpen) reichte die Zeit noch für eine Hall im Norden der Innenstadt. Gefunden habe ich den Ort über die Legal Walls Karte, die Hall besteht eigentlich aus Stützpfeilern des Noorderlaan, dementsprechend sehen die Motive aus. Ob die Pfeiler/Wände wirklich immer legal freigegeben sind, weiß ich nicht, die Qualität der Sachen spricht auch für eine Projektwand. Bei meinem Besuch waren keine Writer vor Ort. Es gab in jedem Fall viel zu entdecken, die Lichtverhältnisse zum fotografieren waren durch die Kontraste aber nur suboptimal (28 Bilder).
Nach meinem Aufenthalt in Leipzig Ende April haben wir kurz entschlossen auf der Rückreise einen Stopp in Erfurt eingelegt. Die Stadt kannte ich bereits von früheren Aufenthalten und war deswegen weniger eine Überraschung für mich als Leipzig. Wer sich für Graffiti in Erfurt interessiert, kennt den Blog der kollektiven Offensive, die Kollegen dort zeigen regelmäßig Bilder aus Frankfurt und Erfurt, dort sitzen die Erfurt-Profis. Dort hätte ich auch mal besser nachgefragt nach aktuellen Halls.
Eine kurze Recherche über interessante Spots in Erfurt führten uns in die Grubenstraße und die Weimarsche Straße (Infos von dosensport.com), leider haben wir die Halls dort nicht gefunden. Das Stadtgebiet ist jedoch voll von Straßenkunst und auch hier wie in Leipzig war es von Vorteil mit dem Rad einfach so durch die Straßen zu fahren. Erfurt scheint eine sehr aktive und kreative Streetart-Scene zu haben (18 Bilder) – schön.
Die freien Tage nach Ostern habe ich für einen kleinen Stadturlaub in Leipzig genutzt. Die Stadt kannte ich vorher noch nicht, die Erwartungen waren entsprechend gering. Ohne Reiseführer und auf dem Rad habe ich mich aufgemacht, die City zu erkunden und war angenehm überrascht von Leipzig. Viele Straßenzüge vor allem in der Südstadt erinnerten mich an Wien, die moderne Uni mitten in der City gibt der Stadt ein modernes Flair, zwischendrin viele alte Bauten wie das Bundesverwaltungsgericht oder die Uni-Bibliothek, keine klassischen Reiseführerziele aber wunderbar – ich liebe Bibliotheken. Beim radeln durch die Stadtteile um die City fielenmir die vielen unbebauten Grundstücke auf, es gibt viel Graffiti und Streetart und einige alte Industriebauten, die den Abenteurer ansprechen. Zumal mir gleich am ersten Tag ein Bildband über Lost Places in Leipzig in die Hände viel (Marc Mielzarjewicz /LOST PLACES LEIPZIG – Verborgene Welten), der Lust gemacht hat die Stadt mit dem etwas anderen Blick zu erkunden.
Die Fotos heute stammen überwiegend von den bekannten Streetart-Plätzen in Leipzig (Werk II und Conne Island in Connewitz) und dem Stadtgebiet. Die Leipziger unter euch werden die meisten Sachen kennen. Meinen Dank noch an mainstyle.org für die tollen Hinweise, wo man in Leipzig Motive finden kann.
Es gab für mich in den letzten Jahren immer mehr gute Gründe Zeit im Osten Frankfurts zu verbringen. Zentraler Anlaufpunkt ist die Baustelle der Europäischen Zentralbank (EZB) mit den Bauzaun-Graffitis. Direkt daneben ist ein neuer Skaterpark entstanden, eine Brücke über den Main wurde gebaut, gedreht und eröffnet, der Flohmarkt findet alle 2 Wochen am Osthafen statt und auf dem Platz vor dem Ostbahnhof entstand eine neuartige Gartenanlage.
Immer noch vorhanden und städtebaulich „vernachlässigt“ liegt der Ostbahnhof in Sichtweite der EZB, ich bin gespannt was aus dem Gebäude werden wird. Da mich solche alten Gebäude seit jeher interessieren, habe ich versucht den Gebäudekomplex fotografisch zu erfassen. Bilder aus dem Inneren könnt ihr euch schon länger bei der OSTENDFAXPOST anschauen, da habe ich mich nicht selbst hineingewagt. Wer sich für andere Abondoned Houses interessiert, dem lege ich die Webseiten Abondoned Kansai (ein deutscher, der in Japan lebt) und 100 Abondoned Houses ans Herz. Die letzte Seite inspirierte mich zu einem größeren Umweg bei meinem USA-Aufenthalt in Detroit im letzten Jahr. Weitere Galerien rund ums Thema „Lost Places“ findet ihr bei Lost Places, Natur und Kunst.